Das Völkerschlacht-Wetter 1813

Napoleons Russlandfeldzug 1812

Schnee im Libanon

Der extreme Januar 1709

Der miserable Sommer 1980

Anmerkungen

  1. Die Angaben bzgl. der in die Stratosphäre gestoßenen Sulfatmengen sind in der Literatur keineswegs einheitlich, zumal oft auch nur Angaben zu finden sind, die sich nur auf eine Hemisphäre beziehen. Die im Text aufgeführten Zahlen beziehen sich aber auf beide Hemisphären. Abgeleitet werden die Mengen aus Messungen des Sulfatanteils in Eisbohrkernen, was nicht ganz trivial ist. Zudem liefern die verschiedenen Bohrkerne durchaus verschiedene Sulfatanteile: so schwanken diese für den Tambora zwischen etwa 90 und 360 Millionen Tonnen Sulfat [7]! Bei Vergleich der Mengenangaben muß man auch beachten, ob (wie hier im Text) die Angaben sich auf SO4 beziehen oder die dafür benötigte Schwefelmenge, wobei gilt: Masse(SO4) = 3*Masse(S).

  2. Durch eng begrenzte lokale Sommerunwetter kann natürlich an einem Ort die Ernte schwer geschädigt oder gar vernichtet werden, während es nur 100 km weiter zu keinerlei nennenswerten Schäden kommt. So könnte man diese Unterschiede für 1815 erkären - dann aber spiegeln diese Daten über die Länge der Wachstumssaison nur örtliche Gegebenheiten wider ohne Anspruch auf Flächendeckung

  3. Die Situation sieht allerdings anders aus, falls der gesamte betrachtete Zeitraum durch häufige Vulkanausbrüche beeinflusst bzw. sogar geprägt wird! Gerade für 1801 - 1830 wird dies in Erwägung gezogen; näheres siehe letztes Kapitel.

  4. So werden z.B. aktuell gerade die Sommertemperaturen der langen Reihen von Stockholm und Uppsala diskutiert: die Werte vor ca. 1860 sind vermutlich im Schnitt um 0.7° C zu hoch ausgefallen

  5. Im Idealfall hat man für eine Station über die gesamte Dauer der Meßreihe hinweg eine genaue „Stationsgeschichte“, in der alle Verlagerungen des Meßortes und Änderungen an den Instrumenten verzeichnet sind, so daß eine Homogenisierung im Nachhinein einigermaßen verlässlich möglich ist - leider erfüllen nur die wenigsten der wirklich langen Reihen (150 Jahre und länger) diese Bedingung

  6. Bei Kenntnis nur der täglichen Mitteltemperaturen wären z.B. die gerade im Sommer für die Pflanzen so gefährlichen Nachtfröste - wie sie ja gerade 1816 im Nordosten der USA mehrfach auftraten - nicht mehr erkennbar.

  7. Diese Zentralbelgien-Reihe setzt sich aus den Meßreihen von fünf verschiedenen Stationen zusammen, die dann nachträglich auf die Station Uccle (nahe Brüssel) geeicht wurden. Tatsächlich stammen die hier interessierenden 1816er-Messungen aus der Station Haarlem (Niederlande), immerhin schon 170 km nördlich von Brüssel gelegen! Die Temperatur wurde dort zu dieser Zeit zweimal am Tag abgelesen: morgens um 8 und nachmittags um 13 Uhr. Die im Diagramm gezeigten Werte sind aber nicht diese Original-Haarlem - Werte, sondern die daraus gewonnenen homogenisierten Werte, wie sie dann Eingang in die Gesamtreihe „Zentralbelgien“ fanden.

  8. Auch wenn dies aus [6] nicht ganz klar wird, so muß es sich beim zum Vergleich herangezogenen Temperaturmittel 1961 - 1990 um das mittels instrumentellen Messungen gewonnene Mittel handeln. Da weder für die Nord- noch für die Südhalbkugel die Summe der Anomalien von 1961 - 1990 null ergibt (bei der Reihe für die Nordhalbkugel ist die Abweichung ja ersichtlich ziemlich groß), muß man daraus folgern, daß die Multi-Proxy-Daten ein Kalibrierungsproblem mit den „echten“ instrumentell gemessenen Werten haben! (Siehe dazu auch Anmerkung 9.) Falls dieser Kalibrierungsfehler aber über den gesamten Meßzeitraum in etwa derselbe ist, bleibt die Aussagekraft von Bild 27 aber erhalten: kalte und warme Jahre können gut erkannt werden, man kann nur nicht genau sagen, welche Mitteltemperatur in diesen Jahren wirklich herrschte.

  9. Laut [9] hat man für Baumringdaten für die Zeit nach 1960 Probleme, eine genügend gute Korrespondenz mit den instrumentellen Temperaturmessungen zu bekommen; die Autoren von [9] halten es für möglich, daß hier schon der zunehmende anthropogene Einfluß auf das Klima zum Tragen kommt. Jedenfalls benutzen sie daher zum Kalibrieren nur Instrumentenmessreihen bis 1960. Da die Daten aus Bild 27 großteils auf Baumringmessungen beruhen, wird verständlich, warum dort für 1961 - 1990 die Temperaturanomalien so seltsam aussehen - siehe Anmerkung 8. Vor diesem Hintergrund war es eine unglückliche Entscheidung, ausgerechnet die Jahre 1961 - 1990 zur Grundlage für die Temperaturmittelwerte zu machen (was wohl deshalb geschah, weil diese Jahre die noch aktuell gültige WMO-Standard-Klimaepoche sind).

  10. Laut [9] liegen 383 Baumring-Chronologien dieser Tabelle zugrunde, jede Chronologie dabei bestehend aus mehreren Holz-Bohrkernen von verschiedenen Bäumen. Alle Chronologien gehen bis mindestens 1891 zurück, 287 bis 1800, 159 bis 1700, 75 bis 1600 und 8 bis 1400. Für die Erstellung der Rangliste wurden diese Chronologien dann acht geographischen Regionen zugeordnet, und für jede Region gesondert dann ein Temperaturwert bestimmt. Der Gesamtwert ist dann das Mittel aus den 8 Gruppen. Diese Methode (hier etwas vereinfacht dargestellt) verhindert, daß Regionen mit zahlreichen Chronologien allein das Gesamtergebnis bestimmen können.

  11. In den antarktischen Eisbohrkernen ist der Ausbruch von 1809 nicht ganz so stark ausgeprägt wie in den grönländischen Bohrkernen.

  12. In [9] wird der Ausbruchstermin des Katmai mit Januar/Februar 1912 angegeben: würde dies stimmen, wäre ein Einfluß auf den Sommer desselben Jahres noch gut möglich gewesen - und 1912 weist immerhin den siebtkältesten Sommer der Baumring-Liste auf. Aber die Nationalparkverwaltung Katmai gibt den 6. Juni als Ausbruchstermin an.

  13. Die Aufnahme stammt vom 20. 1. 1996 und zeigt deutliche Aktivität des Santiaguito (Bildmitte), des kleinen „Bruders“ des Santa Maria (rechts im Bild). Für diesen Zeitraum weisen die diversen, Vulkan-Aktivitäten verzeichnenden Quellen wie z.B. das Smithsonian Institute (http://www.volcano.si.edu/gvp/index.cfm) keine Einträge für den Santa Maria/Santiaguito auf - aber dieser Vulkan ist seit Jahrzehnten praktisch permanent aktiv, so daß wohl nur noch größere Aktivitäten verzeichnet werden. Eine Detailaufnahme der Asche- und Dampfwalze dieses Ausbruchs an der Flanke des Santiaguito findet sich hier (Bild 35)!

  14. Ein Ausbruch der Stärke des Tambora kommt allerdings nur etwa alle 500 Jahre einmal vor - da der Tamboraausbruch noch keine 200 Jahre zurück liegt, bliebe noch etwas Zeit (Vorsicht, Scherz!)... Ein Ausbruch, so stark wie der von 1257, kommt gar nur alle 5000 Jahre einmal vor [6]. Da Vulkane aber nichts von solchen Statistiken wissen (wollen), sollte man lieber nicht darauf bauen, für die kommenden Jahrhunderte von einem „Vulkanklima“ verschont zu bleiben.

  15. Die GHCN-Daten [10] für Mailand haben ausgerechnet für den August 1816 eine Lücke, diese konnte aber durch Auswertung der Tagesdaten für Mailand aus [12] geschlossen werden





Benutzte Literatur / Online-Quellen:

[1] Stothers, R.B., 1984, The Great Tambora Eruption of 1815 and Its Aftermath: Science, v. 224, 1191-1198

[2] Henry u. Elizabeth Stommel, 1816: Das Jahr ohne Sommer, in „Spektrum der Wissenschaft“, Januar 1983, S. 96 ff

[3] S. De Silva, G. Zielinski, Global influence of the AD 1600 eruption of Huaynaputina, Peru, in „Nature“, Vol 393, June 1998, S. 455 ff

[4] T. E. Graedel, Paul J. Crutzen, „Chemie der Atmosphäre“, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994

[5] Christian Schönwiese, „Klimatologie“, Ulmer Verlag, Stuttgart 2003

[6] Clive Oppenheimer, Ice core and palaeoclimatic evidence for the timing and nature of the great mid-13th century volcanic eruption,       International Journal of climatology, Vol. 23, 2003, S. 417 ff

[7] Clive Oppenheimer, Climatic, environmental and human consequences of the largest known historic eruption: Tambora volcano (Indonesia)       1815, Progress in Physical Geography, Vol. 27, 2003, S. 230 ff

[8] Jürg Luterbach et al., European seasonal and annual temperature variability, trends, and extremes since 1500, Science, Vol. 303, March 2004,       S.1499 ff

[9] K. R. Briffa et al., Influence of volcanic eruptions on northern hemisphere summer temperature over the past 600 years, Nature, Vol. 393,       June       1998, S. 450 ff

[10] GHCN-Klimaarchiv, http://www.ncdc.noaa.gov/cgi-bin/res40.pl/

[11] Hans v. Rudloff: .Die Schwankungen und Pendelungen des Klimas in Europa., Vieweg, Braunschweig 1967

[12] D. Camuffo, P. Jones (Hrsgb.): Improved Understanding of Past Climatic Variability from Early Daily European Instrumental Sources, Kluwer       Academic Publishers, 2002

[13] Wilhelm Abel, „Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Deutschland“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986

[14] Christian Pfister, „Wetternachhersage“, Haupt-Verlag, Bern 1999

[15] Fischer Weltgeschichte, Band 26, Frankfurt/Main 1969

[16] Paläo-Klimaarchiv, http://www.ngdc.noaa.gov/cgi-bin/paleo/mannplot2.pl

[17] http://www.brest.ird.fr/geodyn/Peru_Huayna.html

[18] Rüdiger Glaser, „Klimageschichte Mitteleuropas“, Primus-Verlag, Darmstadt 2001

[19] H. H. Lamb: Klima und Kulturgeschichte, Rowohlt-TB, Reinbek bei Hamburg 1989

[20] http://volcano.und.nodak.edu/vwdocs/volc_images/europe_west_asia/laki.html

[21] http://www.volcano.si.edu/gvp/index.cfm





Bildnachweis

Bild 1: Eigene Produktion, unter Benutzung von SRTM-Daten

Bild 2: Steve Carey

Bild 3: Landsat 7 - Aufnahme, Komposit der R, G, B - Kanäle

Bild 4: Fig 8b/c aus [7]

Bild 5: Abbildung 3 aus [2]

Bild 6 - Bild 23: Eigene Produktion, unter Benutzung von Daten aus [10], [12]

Bild 24: Eigene Produktion, unter Benutzung von Daten aus [13]

Bild 25, 26: von [16], leicht modifiziert

Bild 27: Abbildung 4 aus [6]

Bild 28: Abbildung 9 aus [7], leicht modifiziert

Bild 29: De Silva & Francis, http://volcano.space.edu/cvz/huay.html

Bild 30: Jean-Claude Thouet, http://www.brest.ird.fr/geodyn/Peru_Huayna.html

Bild 31: Abbildung 6(b) aus [7]

Bild 32: Abbildung 1 aus [6]

Bild 33: Abbildung 12 aus [7]

Bild 34, 35: Gabriele Rammacher



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